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Jeffrey Milstein fotografierte Passagierflugzeuge im Landeanflug. Und hat daraus eine faszinierende Typologie der funktionalen Ästhetik des technologischen Zeitalters angelegt. Seine Airliner wirken im neutral abstrahierten Luftraum wie Schmetterlinge einer entomologischen Sammlung.
Schon als kleiner Junge habe er Flugzeuge geliebt, erzählt Jeffrey Milstein. „Ich bastelte jedes Modellflugzeug, das ich in die Hände kriegen konnte und träumte vom Fliegen. Ich beobachtete die Flugzeuge am Himmel und legte mein eigenes Archiv der verschiedenen Flugzeugtypen an.“ Auf gewisse Weise hat sich daran nichts geändert. Heute hat der Kalifornier sein eigenes Flugzeug, liebt es aber noch immer, am Ende der Landebahn des Los Angeles International Airport zu stehen und die Linienflugzeuge zu beobachten. Meist hat er nur eine Kamera dabei. Als Firmengründer des vielfach mit Designpreisen ausgezeichneten Grußkarten-Unternehmens „Paper House Productions“ hat er sich über die Jahre verstärkt der ikonographischen Abbildung von Objekten gewidmet. Diese objekthafte, betont nüchterne Betrachtung vor möglichst neutralem Bildhintergrund hat er in seine Fotokunst übernommen, die ihm seit einigen Jahren besonders am Herzen liegt. Natürlich ist er mit den Typologien von Bernd und Hilla Becher vertraut, sieht sich in seiner stilistischen Entwicklung von deren Ansatz beeinflusst. Das Passagierflugzeug steht auf Milsteins Bildern für aktuellstes technisches Wissen unserer Zeit, für ein Design in perfekter Funktionalität und mit ausgeprägter, den spezifischen Ansprüchen entsprechender Ästhetik. Etwas, das weit über den Aspekt moderner Transportmittel hinaus geht. „Ich will diese Faszination in meinen Bildern rüberbringen“, schwärmt Milstein. Seit den Anschlägen des 11. September 2001 haben Flugzeuge in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus auch einen bedrohlichen Aspekt: Wir wissen, dass sie auch gezielt als terroristische Waffe eingesetzt werden können. Für Jeffrey Milstein ist es jedoch in erster Linie die Kombiniation aus Funktionalität und Ästhetik, die ihn fasziniert. „Ich möchte die Schönheit und Power festhalten, die ich in der eleganten Symmetrie dieser Objekte finde“, sagt er. „Eine Schönheit, die sich aus der Funktion entwickelt hat: Ein Flugzeug muss minimalen Luftwiderstand haben, maximale Schubkraft bei minimalem Gewicht erreichen und den Flug bei schneller und langsamer Geschwindigkeit unter Kontrolle haben. Hier ist das Design weniger stilgeprägt als funktional.“ Milstein hat längst seinen idealen Aufnahme-Standort am Flughafen gefunden, an dem er die in etwa 90 m Höhe mit einer Geschwindigkeit von 240 km/h vorbei¬rauschenden Flieger mit seiner Canon EOS-1Ds und der Kodak DCS Pro SLR/n ablichtet. In der Nachbearbeitung werden die Bilder gesamplet und geschärft, bevor er sie vorzugsweise im Format 70x70 cm printet. Dem Spiel mit den Größendimensionen kommt bei der Rezeption seiner Arbeiten eine besondere Bedeutung zu. Vor hellem Hintergrund und in perfekter detailgenauer Wiedergabe des Designs, wirken die Passagierflugzeuge bei Milstein wie Miniaturmodelle, ihre symmetrische Anordnung im aufs Quadrat reduzierten Format ähnelt dem aufgepinnter Schmetterlinge einer entomologischen Sammlung. Im Laufe der Jahre hat der Fotograf zunehmend die Hintergründe seiner Flugzeugbilder neutralisiert und aufgehellt. Im Ausstellungskontext wirken diese Flugzeuge nun im abstrahierten „Luftraum“ wie schwerelose Meisterwerke moderner Ingenieursbaukunst. Milstein hat eine Bildserie geschaffen, die nicht nur seinen Traum vom Fliegen visualisiert, sondern zur Typologie der Zweckästhetik des technologischen Zeitalters wurde.
Manfred Zollner
VITA
1944
geboren
1968
Diplom in Architektur an der Universität Californien, Berkeley
Ausstellungen
Einzelausstellungen
2005
Cuba, Blue Sky Gallery, Portland, Oregon
2001
Terra, Pietra e Cielo, Comunita di San Leolino, Florenz, Italien
1999
Color of Light, Klienart/James Art Center Gallery, Woodstock, New York
1997
Jeffrey Milstein Photography, Donskoj Gallery, Kingston, New York
Gruppenausstellungen
2005
Paul Kopeikin Gallery, Los Angeles CA (2 person)
Best of Show, University of the Arts, Philadelphia
New Photography, Newspace Center for Photography, Portland, Oregon
One Foot after Another, Mark Woolley Gallery, Portland, Oregon
2003
Work by New Means, Portland Art Museum, Portland, Oregon
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